Umfangreiche Einblicke helfen denen, die die Zukunft der Infrastruktur gestalten. Genau deshalb waren jetzt 14 Projektleiter der EWE Netz zu Gast an unserer tbd-Akademie: Um sich erklären und zeigen zu lassen, wie die Kolleg:innen unseres Geschäftsfelds Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung (ZfP) untersuchen, ob Schweißnähte halten, was sie versprechen.

Michael Ruf, Projektleiter in der ZfP bei uns, erklärte den Teilnehmenden die verschiedenen Prüfverfahren, mit denen unsere Teams auf die Suche nach Fehlern in Stahlverbindungen gehen:

Mithilfe digitaler und analoger Radiografie (radioactive testing, kurz: RT) bei Durchstrahlungsprüfungen spüren wir auch kleine Fehlstellen oder Schlacke-Einschlüsse auf. Bei digitaler Radiografie werden die Aufnahme auf einer speziellen Folie gespeichert und können von da aus digital weiterverarbeitet und bis in feinste Details untersucht werden. Bei analoger Radiografie kommen Spezialfilme zum Einsatz, die in Laborwagen entwickelt und danach an einem Betrachter akribisch beäugt werden.

Mit Farbeindringprüfungen (Penetrant Testing – PT) können unsere Prüfer:innen feinste, zur Oberfläche offene Risse und Poren in Bauteilen sichtbar machen.

Ferromagnetische Oberflächen lassen sich auch mithilfe von Magnetpulverprüfungen (Magnetic testing – MT) auf hauchfeine Risse und Fehlstellen untersuchen.

Zusätzlich setzen wir Ultraschallverfahren (Ultrasonic Testing – UT) wie TOFD und Phased Array ein, um auch in massiven Stahlblechen Fehlstellen identifizieren zu können.

Und das geschulte Auge kann auch bei Sichtprüfungen (Visual testing – VT)  mit dem bloßen, „unbewaffneten“ Auge oder auch „bewaffnet“ mit Hilfsmitteln Fehlstellen erkennen.

Aufwand hinter Prüfungsdienstleistungen erklärt

Nun ging es aber um weit mehr, als den Projektleitern nur die Prüfverfahren zu erklären. „Mir war wichtig, auch zu vermitteln, wie wichtig zerstörungsfreie Werkstoffprüfung ist, aber auch, welcher Aufwand nötig ist für sichere Einsätze und die Qualifizierung der Kolleg:innen“, sagt Michael Ruf.

Für jedes Prüfverfahren gibt es drei aufeinander aufbauende Zertifizierungsstufen, und den „Schein“ dafür bekommt nur, wer in regelmäßigen Abständen entsprechende Prüfungen in Theorie und Praxis besteht, was mit viel Aufwand und Kosten verbunden ist. Regelmäßige Unterweisungen in Strahlenschutz, Arbeitssicherheit und vielem mehr sind zudem selbstverständlich. Jede RT-Prüfung muss zudem dem Gewerbeaufsichtsamt zwei Tage vorher mitgeteilt werden – ein nicht unerheblicher logistischer Aufwand.

Und dann ist da noch der extrem wichtige Strahlenschutz: Denn bei RT-Prüfungen kommt für die „Röntgenaufnahmen“ eine radioaktive Strahlenquelle zum Einsatz. Schwach strahlend, abgereichert, enorm gut geschützt. Dennoch hat dies zur Folge, dass die Einsatzorte weiträumig abgesperrt werden müssen, dass bestimmte Prüfungen auch nur in Zeiten erfolgen können, in denen sonst niemand mehr auf einer Anlage oder einer Stahlkonstruktion arbeitet – um unbedingt sicherzugehen, dass niemand unwissentlich in die Nähe radioaktiver Strahlung gelangt. Und weil die sogenannten Isotopenarbeitsgeräte, in denen sich die Strahlenquellen abgeschirmt befinden, unter das Gefahrgutbeförderungsgesetz fallen, benötigen auch alle Kolleg:innen von uns, die damit zu Einsätzen aufbrechen, eine sogenannte ADR-Schulungsbescheinigung. ADR steht für „Agreement concerning the international carriage of dangerous goods by Road“.  Auf Deutsch: „Vereinbarung über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße“.

Direkte Einblicke in echte Prüf-Situationen

All dies haben wir den Teilnehmenden der EWE auch in der Praxis gezeigt: in unserem abgeschirmten „Prüfplatz für den gelegentlichen Umgang“ durften sie zusehen, wie zwei unserer Werkstoffprüfer Schweißnähte von Stahlbauteilen für die Durchstrahlung vorbereitet haben, um dann durch schwere Bleitore von den Prüfobjekten getrennt, die Strahlung der Quelle per Kurbel für einen vorher exakt berechneten Zeitraum aus dem Isotopenarbeitsgerät freizusetzen und sie direkt danach wieder abzuschirmen. Ebenso konnten die EWE-Teilnehmenden sich die Betrachtung von analogen und digitalen Aufnahmen in Laborwagen ansehen –  und auch Spezialgeräte wie einen Prüfmolch, mithilfe dessen etwa Rohr-Schweißnähte von innen untersucht werden können.

Thorsten Soppa, der die Technische Projektleitung Großprojekte – Energieinfrastruktur & Pipelinebau bei der EWE Netz innehat, sagt: „Das war besonders für die Neueinsteiger sehr wertvoll, da man sofort einen anderen Bezug und eine bessere Vorstellung entwickelt. Die positiven Rückmeldungen zeigen, wie groß der Bedarf nach praxisnaher Weiterbildung bei den Mitarbeitenden ist.“

Wir haben uns sehr über das Interesse gefreut und hoffen, so das Verständnis für diese wichtige Arbeit vertieft zu haben.

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