Leon löscht und hat dabei eine Menge Spaß. Heinrich pumpt für ihn.
Feuerwehr Reepsholt
Leon löscht und hat dabei eine Menge Spaß. Heinrich pumpt für ihn.

Es gibt Tage in der Woche, auf die freut Leon sich besonders. Zum Beispiel auf den, an dem er nach der Schule wieder zur Kinderfeuerwehr kann. Der Junge brennt fürs Feuerlöschen, auch wenn er für die richtige Brandbekämpfung noch zu klein ist. Das kann man allerdings prima spielen. Gemeinsam. 23 Jungen und Mädchen sind bei der Kinderfeuerwehr in Reepsholt, einem kleinen 800-Seelen-Dorf bei Friedeburg, dabei.

„Wir bringen ihnen spielerisch bei, wie man Brände löscht und Feuer verhindert, zeigen ihnen, welche verschiedenen Hydranten es gibt und organisieren Hydranten-Rallyes. Die Kinder lernen Erste Hilfe, erfahren, was in Feuerwehrautos alles drinsteckt, wie man einen Notruf absetzt – und dürfen schon mal eine Atemschutz-Strecke bewältigen: mit verbundenen Augen“, sagt Kinderfeuerwehrwartin Nicole Stoltenberg. Bei echten Bränden können Gänge während Löscheinsätzen so blickdicht verraucht sein, dass man nahezu nichts sieht.

 „Was mir richtig viel Freude macht, ist der Zusammenhalt“

Nicole Stoltenbergs Stellvertreterin, Frauke Janssen, sagt: „Was mir richtig viel Freude macht, ist der Zusammenhalt, der sich unter den Kindern gebildet hat – und ihnen etwas zeigen zu können.“ Kinder- und Jugendfeuerwehren geben jungen Menschen einen geschützten Raum, in dem Verantwortung wachsen darf, ohne zu überfordern. Sie dürfen ausprobieren. Erfahren, dass Regeln nicht dazu da sind, Spaß zu verderben, sondern Menschen zu schützen. Dass Verlässlichkeit und Zusammenhalt keine altmodischen Wörter sind, sondern bedeuten: Wenn ich gebraucht werde, bin ich da. Wenn ich selbst Hilfe brauche, sind andere da. Wir stehen füreinander ein. Zwischen allem Feuerwehrwissen und Praxisbezug machen die Kinder einfach mal gemeinsam Pommes oder backen Kuchen. Wenn man dann noch, wie Leon beim Fototermin, ein bisschen mit der Handspritze herumlöschen darf: umso schöner.

Das kommt an. Die Anfang 2014 gemeinsam mit Wiesede gegründete Jugendfeuerwehr wuchs so stark, dass beide Wehren 2022 jeweils eigene Jugendabteilungen gründeten. Zwei aus der Jugendtruppe erzählen: „Das ist schon anstrengender als in der Kinderfeuerwehr, aber es ist cool“, sagt Tino Claaßen. Und Heinrich Richter sagt: „Die Einsatzübungen, zu machen, was die Großen auch machen, das finde ich super.“

Nachwuchs, der das Dorf stärkt

Auch die 2021 gegründete Kinderfeuerwehr hat im Dorf schnell Zuspruch gefunden. Zwischenzeitlich war sie auf fast 30 Kinder gewachsen, von denen einige inzwischen in die Jugend gewechselt sind. „Das ist für uns auch unglaublich wichtig, um die aktive Wehr zu stärken und Nachwuchs dafür zu finden“, sagt Günter Koch, dessen Tochter Pia zu den Ehrenamtlichen zählt, die sich um die Jugendfeuerwehr kümmern.

So selbstverständlich die Kinderfeuerwehr inzwischen zum Dorf gehört: Organisatorisch ist vieles weniger selbstverständlich. Kinderfeuerwehren gelten hier – anders als die aktiven Wehren und Jugendfeuerwehren – bislang nicht als offizielle Abteilungen der Brandschützer, die auch von den Gemeinden ausgestattet werden.

Damit die Kleinen gut ausgestattet sind

Feuerwehrkleidung und quietschgelbe Helme gibt es aber schon für die Kleinen von sechs bis zehn Jahren, die sich damit ein bisschen größer fühlen können. Und auch sonst braucht es immer mal wieder Anschaffungen, die Geld kosten und die ehrenamtlichen Helfer aus Spenden bezahlen. Um dies zu unterstützen, haben wir dem Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Reepsholt 1500 Euro vom Konto unserer „Aktion Glückscent“ überwiesen. Dabei spenden die Mitarbeitenden jeden Monat einen kleinen Teil ihres Gehalts; das Unternehmen verdoppelt den Betrag. So unterstützen wir

Die Kinder erleben Teamgeist nicht als schönes Plakatwort. Sie lernen, mit Aufregung umzugehen, Rücksicht zu nehmen, zuzuhören, sich etwas zuzutrauen. Manche werden mutiger, manche ruhiger, manche finden dort überhaupt erst ihren Platz. Und auch in der Jugendfeuerwehr, in der sich in Reepsholt weitere knapp 20 Jungen und Mädchen engagieren, zählt, wer mitmacht, wer dranbleibt, wer den Blick für andere nicht verliert.

Die stellvertretende Betriebsratschefin bei tbd, Iris Eberhards (hinten, von rechts) übergab einen symbolischen Scheck an den Vorsitzenden des Fördervereins, Thomas Leiner sowie an Birgit Stolzenberg und Pia Koch. Aus dem Fenster des Fahrzeugs guckt Leon. Vorn knien Tino (links) und Heinrich.
Die stellvertretende Betriebsratschefin bei tbd, Iris Eberhards (hinten, von rechts) übergab einen symbolischen Scheck an den Vorsitzenden des Fördervereins, Thomas Leiner sowie an Birgit Stolzenberg und Pia Koch. Aus dem Fenster des Fahrzeugs guckt Leon. Vorn knien Tino (links) und Heinrich.

Bürgermeister lobt das Engagement

Helfried Goetz, Bürgermeister der Gemeinde Friedeburg, sagt: „Dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma TBD gemeinsam für die Kinder- und Jugendfeuerwehren in unserer Gemeinde einsetzen, ist ein großartiges Zeichen gesellschaftlicher Verantwortung. Für dieses Engagement danke ich allen Beteiligten ausdrücklich und von Herzen. Es ist keineswegs selbstverständlich, einen Teil des eigenen Gehaltes für einen guten Zweck zu spenden. Genau diese Bereitschaft zeigt aber, wie stark Zusammenhalt und Verantwortung auch über den Arbeitsplatz hinaus gelebt werden können. Unsere Kinder- und Jugendfeuerwehren leisten weit mehr, als nur den Feuerwehrnachwuchs zu sichern – auch wenn genau das für die Zukunft des Brandschutzes in Friedeburg von enormer Bedeutung ist.

Die Kinder und Jugendlichen „erleben in den Kinderfeuerwehren, wie schön Zusammenhalt sein kann. Sie knüpfen Freundschaften, entwickeln Selbstvertrauen und wachsen Schritt für Schritt in eine starke Gemeinschaft hinein. Die Jugendfeuerwehren fördern darüber hinaus Teamfähigkeit, Engagement und Hilfsbereitschaft – Eigenschaften, die weit über den Feuerwehrdienst hinaus für das ganze Leben prägen“.

Deshalb sei jede Unterstützung für die Kinder- und Jugendfeuerwehren „zugleich eine Investition in die Zukunft unserer Gemeinde und in die Entwicklung junger Menschen. Die Spendeninitiative der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma TBD verdient dafür große Anerkennung und aufrichtigen Dank“, sagt Goetz.

Warum Unterstützung hilft

Besonders in kleinen Dörfern ist die Feuerwehr oft ein Herzmuskel des Soziallebens. Sie rückt aus, wenn es brennt, Keller volllaufen, Bäume auf Straßen stürzen. Aber das Miteinander darin stärkt das Dorf auch, wenn gerade nichts passiert. Bei Festen, Übungen, Laternenumzügen, Zeltlagern, Wettbewerben, gemeinsamen Abenden. Kinder wachsen dort in eine Kultur hinein, die sagt: Wir stehen zusammen, packen an, kümmern uns.

„In der Jugendfeuerwehr wird es dann schon konkreter. Da geht es auch an die feuerwehrtechnische Ausbildung und daran, im Team so effektiv wie möglich Brände zu bekämpfen oder schwierige Lagen zu meistern“, sagt Thomas Leiner, 1. Vorsitzender des Fördervereins der Feuerwehr in Reepsholt. „Auch da brauchen wir immer mal wieder Geld für Anschaffungen über den normalen Bedarf hinaus – oder dafür, Menschen zu unterstützen, bei denen es finanziell eng ist.“

Wer wie Leon dort dabei ist, lernt viel über Feuerwehr. Aber vielleicht noch mehr über das Leben: dass man stärker wird, wenn man sich auf andere verlassen kann – und wie viel besser vieles geht, wenn man zusammenhält. Und manchmal auch zum Spaß fürs Foto die Handspritze ausprobieren darf.

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