Manchmal führten die Einsatzfahrten unsere Monteure auch am Westturm von Wangerooge vorbei, in dem sich die Jugendherberge befindet.
Manchmal führten die Einsatzfahrten unsere Monteure auch am Westturm von Wangerooge vorbei, in dem sich die Jugendherberge befindet.

Draußen rauschen Wellen unablässig an den Strand, drinnen läuft der Heizkessel bullernd hoch. Im Schummerlicht des Kellerraums hat Theo die Mess-Sonde angebracht, um die Abgaswerte der riesigen Anlage zu prüfen. Die beheizt etwa 50 Ferienwohnungen in einem Appartementkomplex mit Meerblick an der Strandpromenade auf Wangerooge. Ein verschachtelter Klotz, bei dem das Finden des Eingangs in den Heizungsraum eine kleine Detektivaufgabe war. Den Schlüssel hat Theo sich nach Absprache besorgt. Kurzes Telefonat, Treffpunkt vereinbart. Man kennt, schätzt und vertraut sich hier.

In den Keller muss unser Servicetechniker, um die Stauscheibe in der großen Heizungsanlage zu tauschen: eine Metallplatte mit rundem Loch, die den Gaszustrom begrenzt. Warum? Die Anlage soll auch weiterhin tadellos verbrennen und sauber laufen – und die EWE Netz hat jetzt auf den Inseln die Versorgung von L-Gas mit niedrigerem Brennwert aus niederländischen Feldern auf H-Gas umgestellt. Das hat einen höheren Brennwert und kommt aus Norwegen oder Großbritannien. Die neue Stauscheibe mit geringerem Lochdurchmesser sorgt dafür, dass weniger Gas in die Brennkammer strömt. So dass weiterhin alles vollständig und sauber verbrennt und sich kein potenziell lebensgefährliches Kohlenmonoxid bildet.

Den etwas versteckten Eingang zum Heizungsraum finden, zu dem der Schlüssel passt, muss er allein. Urlaubsgeschäft in der Saison. Willkommen auf der Insel. Willkommen bei ihren besonderen Herausforderungen. Die Häuser sind voll, Zeit ist knapp.

Erdgasumstellung oder Marktraumumstellung nennt sich das Mammutprojekt, bei dem im Nordwesten allein rund 700.000 Gasgeräte an H-Gas angepasst werden müssen. Auch auf allen ostfriesischen Inseln. Damit das gelingt, machen unsere Servicetechniker Tempo im Auftrag der EWE Netz. Und arbeiten dafür auch, wo andere Urlaub machen.

Mit Rad und Rucksack machten Dietmar (vorn) und Theo sich zu ihren Einsätzen auf.
Mit Rad und Rucksack machten Dietmar (vorn) und Theo sich zu ihren Einsätzen auf.

Per Rad von Einsatz zu Einsatz

In den vergangenen drei Wochen per Rad: Wangerooge ist autofrei. Entsprechend tragen unsere Kollegen Theo und Dietmar bei ihrem Einsatz alles auf dem Rücken, was sie für ihre Arbeit benötigen: Werkzeug, neue Düsen oder Stauscheiben für die Thermen, das Tablet, in dem alle Infos stecken und mit dem jeder Tausch dokumentiert wird. Damit jedes Gerät die richtige Düse bekommt, damit der Auftraggeber die geleistete Arbeit und die Messwerte nachprüfen kann.

Dicht an dicht drängen sich die Termine an den Inseltagen: rein in den Keller, Gasversorgung kurzzeitig unterbrechen. Gerät öffnen, alte Düse ausbauen, neue rein, Gasversorgung wieder einschalten. Mit Fingerspitzengefühl das Einstellrädchen justieren, damit die Anlage auf Minimal- und Maximallast sauber läuft. Abgaswerte messen. Wenn alles passt: fotografieren, protokollieren, dokumentieren, Gerät schließen, Aufkleber setzen. Wenn keiner da ist: „Karten schmeißen“. Sprich: Infozettel einwerfen, dass der Kunde nicht anzutreffen war. Theo und Dietmar notieren direkt ihre Handynummern darauf. „Wir regeln hier vieles im direkten Kontakt. Auf der Insel ist für uns natürlich umso wichtiger, möglichst jede Düse in unserem Zeitraum wechseln zu können, weil das nachträglich zu erledigen viel aufwändiger und kostspieliger ist als auf dem Festland“, sagt Theo.

In engem Austausch mit den Insulanern

„Deshalb haben wir schon bei der Erfassung der Geräte im vergangenen Jahr akribisch vorgearbeitet: zu jeder Anlage haben wir nicht nur die technischen Daten erfasst, sondern im Einverständnis mit Kunden immer auch Ansprechpartner notiert, Telefonnummern, Hinweise, wo man Schlüssel bekommt – oder wo im Gebäude sich die Anlagen befinden und wie man da hinkommt. Und dass man sich hier kennt und vertraut, öffnet alle Türen.“ Und um alles pünktlich zu schaffen, war zwischenzeitlich mit Noureddin noch ein dritter Monteur von uns mit Rad und Rucksack im Insel-Einsatz auf Wangerooge.

Dietmar ergänzt: „Weil man uns hier kennt, passiert es immer wieder, dass uns Leute beim Einkaufen im Inselmarkt oder auf der Straße nicht nur grüßen, sondern spontan ansprechen: ,Ich kann da morgen doch nicht so gut, könnt Ihr nicht vielleicht stattdessen dann und dann kommen?‘ Wir versuchen natürlich, alles möglich zu machen, was der enge Zeitplan zulässt.“

Mit Erfolg: Auf Inseln können die Quoten nicht angetroffener Kunden im Einsatzzeitraum bei 15 bis 20 Prozent liegen – nicht zuletzt, weil Hauseigentümer oft weit entfernt sitzen und nicht vor Ort sind. Bei unserem Wangerooge-Einsatz liegt die Quote unseres Teams am Ende bei weit weniger als einem Prozent. „Das ist ein sensationelles Ergebnis“, sagt der zuständige Projektleiter Horst.

Weitere Insel-Herausforderung: Die salzige Seeluft sorgt im Laufe der Zeit dafür, dass Düsen anlaufen und andere Bauteile korrodieren. „Da muss man manchmal schon findig sein, um sie sauber ausbauen zu können“, sagt Theo.

Theo zeigt eine von der Salzluft korrodierte Düse, deren Rost den Ausbau verkompliziert hat.
Theo zeigt eine von der Salzluft korrodierte Düse, deren Rost den Ausbau verkompliziert hat.

Und was die Arbeit der Servicetechniker zusätzlich spannend macht: Rund 25.000 unterschiedliche Gas-Verbrenner-Typen sind in Deutschland zugelassen. „Da muss man sich schon immer wieder schlau lesen: Wie stelle ich welche Anlage sauber ein? Es soll ja alles genau passen“, sagt Theo.

Während die Heizungsanlagen auf der Insel mit dem Düsenwechsel fit für die Zukunft gemacht werden, sind die Einsätze unserer Kollegen auf Wangerooge manchmal zugleich Reisen in die Vergangenheit. Dietmar sagt: „Noch heute findest du in den Kellern immer wieder die alten Drucktüren zu einstigen Luftschutzkellern, in denen die Heizungen hängen.“

„Na, wie liegt Ihr im Rennen?“

Unterwegs treffen unsere Servicetechniker Kollegen anderer Dienstleister, die zeitgleich in der Erdgasumstellung auf Wangerooge aktiv sind. „Na, wie liegt Ihr im Rennen?“ Daumen hoch. Manchmal fachsimpeln sie: über die Herausforderung, große Mehrstufen-Brenner sauber zu kalibrieren, damit sie nicht mit zu hoher Last laufen. Oder sie tauschen sich darüber aus, welche besonderen Verbrauchsgeräte sie schon umgerüstet haben: Gaskanonen, mit denen Gewächshäuser beheizt werden, Öfen in Großbäckereien und mehr.

Und immer wieder treffen Theo und Dietmar den Netzmeister der Insel, Oliver. „Der unterstützt uns, wo er kann: Das ist freundschaftliches Miteinander im echten Sinn.“ Als beide dem EWE-Netz-Kollegen diesmal begegnen, fragt er: „Na? Endspurt?“ Und auch er spricht ausdrücklich von der „super Zusammenarbeit“.

Und Theo sagt: „Das Menschliche ist immer wieder besonders auf den Inseln. Man sieht sich dauernd wieder, grüßt sich, freut sich. Ich mag die Leute hier. Die sind kernig und echt super, wenn Du ihr Vertrauen erworben hast.“ Hinzu kommt: „Die Tage sind voll. Aber nach Feierabend den Wind um die Nase zu spüren, das Meer im Blick, und mit dem Rad die Insel zu umrunden: Das ist besonders.“ Gemeinsam haben Dietmar, Noureddin und Theo bei der Arbeit und auch auf gemeinsamen Touren danach ordentlich Kilometer für die Klimaschutz-Aktion Stadtradeln gesammelt. Nun aber geht’s erst einmal mit dem Auto weiter, zurück auf dem Festland. Auch dort sind noch viele Düsen zu tauschen, damit Heizungen und Herde auch künftig sauber laufen.

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