Kameramann Daniel und Tontechnikerin Julia zeichnen eine Sprachunterrichtszene auf.
Kameramann Daniel und Tontechnikerin Julia zeichnen eine Sprachunterrichtszene auf.

Wie wir acht Ukrainer:innen bei uns neue berufliche Perspektiven geben, hat Interesse der Medien geweckt: An diesem Wochenende hat es dazu einen Beitrag im NDR-Fernsehen bei „Hallo Niedersachsen“ gegeben. Zuvor waren auch die Ostfriesen-Zeitung und die Nordwest-Zeitung schon bei uns wegen dieses Themas zu Gast. Und wie war das? Ein Blick hinter die Kulissen.

Sprachlehrer Detlef Große geht gerade die Hausaufgaben durch und schreibt Vokabeln zur Arbeitszeiterfassung an die Tafel, als sich mitten im Unterricht plötzlich die Tür öffnet – und sich die Augen der Kursteilnehmer weiten. Sie werden noch größer, als die Besuchergruppe hereinkommt und auf den Schultern eine große LED-Raumleuchte, eine Kamera samt Stativ und einen meterlangen Ton-Galgen in den Seminarraum trägt. Natürlich hatten wir die acht aus der Ukraine Geflüchteten, die seit Herbst bei uns einen beruflichen Neustart begonnen haben, vorher informiert: Dass das NDR-Fernsehen auf das Projekt aufmerksam geworden ist, dass ein vierköpfiges Team kommen und den Sprachunterricht im Bewegtbild begleiten wird. Wie viel Equipment es dafür braucht, und das dann auch live zu erleben, beeindruckt.

Während Detlef Große die weiteren Aufgaben gemeinsam mit den Schülern durchgeht, wuchtet Daniel die Kamera auf seine Schulter und filmt die Szenen, nimmt auf, wie die Kursteilnehmer sich Vokabeln notieren. Je nachdem, wer spricht, dreht Tonassistentin Julia den Ton-Galgen und richtet das Mikro aus. Im Sprachunterricht gefilmt werden: nicht alltäglich für die Kursteilnehmenden.

Susanne Ullrich fotografiert eine Szene aus dem Sprachunterricht.
Susanne Ullrich fotografiert eine Szene aus dem Sprachunterricht.

Gleich zwei Tageszeitungen zu Gast

Darin zur eigenen Geschichte befragt werden, ebenso wenig. Denn schon am Unterrichtstag zuvor hatten die Ukrainer Besuch von Journalisten: Susanne Ullrich, Redakteurin der Ostfriesen-Zeitung, und Holger Bloem, Wirtschaftsredakteur der Nordwest-Zeitung, waren ebenfalls gekommen.

Um selbst mitzuerleben, wie der „berufsspezifische Sprachkurs“ läuft, den wir gemeinsam mit den zuständigen Behörden auf die Beine gestellt haben. Um sich die Geschichten der Menschen anzuhören, die vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine nach Deutschland geflohen sind, und die jetzt bei tbd neue berufliche Chancen ergreifen: Nach einem vierwöchigen Praktikum haben alle unbefristete Arbeitsverträge unterschrieben.

Vier von ihnen sind als Tiefbauhelfer gestartet, helfen mit, Stromleitungen zu erneuern, neue Trafostationen einzubinden, Hausanschlüsse herzustellen. Drei von ihnen haben sich für einen Weg als Prüfhelfer entschieden. Sie schwärmen mit erfahrenen Kollegen aus, um Schweißnähte von komplexen Anlagen zu durchstrahlen und zu untersuchen, wie gut sie gearbeitet sind.

„Ich habe eine echte Perspektive, mich weiterzuentwickeln“

Oleksii ist einer von ihnen. Vor der Flucht hat er in der Ukraine ein Studium der Agrarwissenschaften absolviert, war zuletzt Produktionsleiter in einer Firma, die Kunststoff-Furniere für Möbel herstellt. Jetzt legt er für „Röntgen-Aufnahmen“ von Schweißnähten Filme an Stahlrohren an, richtet den Kollimator aus, der Strahlung bündelt und zugleich abschirmt – und sagt: „Die Kollegen sind toll, und ich habe eine echte Perspektive, mich weiterzuentwickeln. Wir sprechen immer auf Deutsch. Wenn ich Fragen habe, erklären mir meine Kollegen alles. Der Job hat drei Stufen, die man mit wachsender Erfahrung erreichen kann, und das will ich unbedingt schaffen.“

Er erzählt von seiner zwei Jahre alten Tochter, die in Deutschland zur Welt gekommen ist und die vor allem Deutsch mit ihm spricht, das sie bei einer Tagesmutter lernt. Spricht von der Familie, für die er sorgen will und vom Ehrgeiz, es auf dem neuen Berufsweg zu schaffen. „Deswegen setze ich mich nach Feierabend immer wieder hin und übe Formeln. Und ich habe einen zusätzlichen Sprachkursus, den ich selbst bezahle, damit das Sprechen schnell besser wird.“

Oleksii richtet den Kollimator, der die Strahlen bündelt und abschirmt, mithilfe einer Ellipsenzange vor der Schweißnaht aus.
Oleksii richtet den Kollimator, der die Strahlen bündelt und abschirmt, mithilfe einer Ellipsenzange vor der Schweißnaht aus.

„Kein vergleichbares Projekt bei uns in der Region“

Die Print-Journalisten notieren, stellen Fragen. Die TV-Journalisten zeichnen auf. Und nach jeweils etwa einer Stunde verlassen sie den Raum wieder durch die Tür – um sich dann auch von der Geschäftsführung nochmal erklären zu lassen, was tbd veranlasst hat, dieses Projekt auf die Beine zu stellen, über das Ingo Theilen von der Arbeitsagentur aus Wilhelmshaven und Galina Frank vom dortigen Jobcenter später sagen werden: „Es gibt kein vergleichbares Projekt bei uns in der Region“: Sieben Ukrainer, mit der Perspektive sich zu vollwertigen Facharbeitern zu entwickeln. Unbefristet eingestellt. An zwei Tagen pro Woche für Sprachkurse auf dem Firmengelände freigestellt. Für die es im Miteinander mit den Behörden auch gelungen ist, ihren Führerschein fördern zu lassen – damit sie beruflich mobil sein können.

Arnd Kleemann, technischer Geschäftsführer, hatte viele der Ukrainer selbst im März auf einer Messe in Wilhelmshaven kennengelernt. Erzählt auch den Journalisten noch einmal davon, wie schwierig die ersten Gespräche waren, weil die Sprachbarriere hoch war. „Wir haben aber gesehen, dass da Menschen sind, die wollen, die sich eine Perspektive wünschen – und entschieden, sie direkt zu uns einzuladen, um ihnen unsere Jobs nochmal bildlicher und zweisprachig vorzustellen“, erzählt er im Scheinwerferlicht vor der Fernsehkamera.

Beim Prüfen des Werkstücks geht Oleksii mit großer Präzision vor.
Beim Prüfen des Werkstücks geht Oleksii mit großer Präzision vor.

Schweißnahtprüfung vor der Kamera

Während er vor der Kamera spricht, bereiten Kollegen aus der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung hinter dicken Bleitoren, überragt von Betonquadern in einer Halle auf dem Gelände Prüfstücke vor, an denen Oleksii kurz darauf vor der Kamera zeigt, welche Aufgaben er neuerdings beruflich anpackt.  Diesmal an unserem Prüfplatz. Den nutzen wir gelegentlich, um auch vor Ort Schweißnähte prüfen zu können. Die massiven Tore und Quader schirmen Strahlung ab. Kameramann Daniel fängt Oleksii gemeinsam mit unserem Werkstoffprüfer Kurt ein, wie der Ukrainer den Kollimator mit einer Ellipsenzange ausrichtet, wie beide sich hinter das Bleitor begeben, die Strahlenquelle für die Aufnahme freikurbeln, später das Foto der Naht gemeinsam betrachten.

Parallel machen sich Ingo Theilen und Galina Frank auf den Weg, weil auch sie noch vor der Kamera aus Sicht der Behörden das gute Miteinander beleuchten dürfen. Das tun sie im Interview mit NDR-Redakteur Peter Becker, ehe sich umgekehrt die Tür öffnet und die Sprachkursteilnehmenden wieder dazustoßen – für eine gemeinsame Mittagssuppe.

Der Abschluss eines für viele ungewöhnlichen Drehtags. Eine kurze Stärkung, bevor die Ukrainer zurück in den Unterricht gehen, das NDR-Team Tongalgen, Kamera samt Stativ und Strahler im Bulli verstaut. Los zurück ins Studio, um kurz darauf das Material zu sichten und den Beitrag zu schneiden, der bei „Hallo Niedersachen“ im Fernsehen, aber auch im Rundfunk ausgestrahlt werden soll. Währenddessen arbeiten auch die Print-Redakteure bereits an ihren Texten.

Auch Geschäftsführer Arnd Kleemann wurde vor laufender Kamera befragt.
Auch Geschäftsführer Arnd Kleemann wurde vor laufender Kamera befragt.

„Mit jedem Mal wird es besser – wenn alle wollen“

Dass Fernsehen und Zeitungen diese Geschichten und das Ankommen der Menschen bei uns erzählen wollen, zeigt: Es sind keine kleinen Geschichten. Auch wenn sie klein anfangen – mit einer ersten Begegnung auf einer Jobmesse, einer Idee, vielen Gesprächen hinter den Kulissen und dann einem Praktikum, einem ersten Arbeitstag und einem Sprachkurs in einem fremden Land. Arnd Kleemann sagt: „Ich glaube, dass es am meisten bringt, wenn man Menschen zusammenbringt. Integration passiert am Ende immer durch Menschen – auf der Baustelle.“

Er fügt an: „Und da sagen wir auch allen Kolleginnen und Kollegen Danke, die draußen auf den Baustellen wohlwollend aufnehmen, mithelfen zu erklären, sich in Geduld üben, wenn nicht alles sofort so schnell klappt wie sonst. Aber mit jedem Mal wird es besser – gerade dann, wenn alle wollen. Und ich habe das Gefühl, alle wollen. Und dann ergibt sich der Rest. Das kann gut werden.“

Wo findet man die Beiträge?

Hier könnt Ihr den am Samstag, 12. März, in der Sendung „Hallo Niedersachsen“ ausgestrahlten Fernsehbeitrag sehen und findet auch einen Online-Text dazu. Auch bei NDR Info und NDR 1 Niedersachsen gab es zusätzlich Radiobeiträge, die zum Teil sogar in Bayern ausgestrahlt wurden.

Den Text der Ostfriesen-Zeitung von Susanne Ullrich findet man online hier.

Zum Text der Nordwest-Zeitung von Holger Bloem gelangt man hier.

Danke für die guten und wohlwollenden Berichte!

Und hier geht es zu unserer Vorstellung des Projekts:

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