
Für einen Vormittag haben wir uns wieder in ganz besondere Sonntagskleidung geworfen. Nun gut, geworfen haben wir uns am Ende vor allem in den Schlamm. Oder sind hineingerutscht. In Sportklamotten. Und haben uns dabei erneut in wandelnde Ganzkörper-Fangopackungen verwandelt. Gubbeltriefende Gestalten, einbalsamiert in zentimeterdicke Matsch-Schichten – beim „Vull Wat Manns Loop“ rund um die Kiesgrube Hartema in Siebenbergen, am Rand von Leer. Wer dort antritt, bekommt kein Finisher-Shirt, sondern Patina. Und wir waren erneut dabei. Gleich mehrere von uns hatten auch ihre Kinder und Familien mitgebracht, was das Miteinander noch persönlicher gemacht hat.
Gemeinsam haben wir Rohre überklettert, sind durch Sandbaggerschaufelräder geflitzt und unter Gittern hindurch durch eine Sandgrube gerobbt. Wir haben als Team das „Biest“ bezwungen, diesen mehr als 20 Meter hohen, steilen Kegel aus Pulversand, sind gischtspritzend durch lange Schlammgräben gewetzt. Tricky: Kühler Regen hatte in diesem Jahr viele Abschnitte zusätzlich in Schlickrutschen verwandelt.
Sauberbleiben? Dein(e) Mudder!
Wir haben auch diesmal Heuballen bezwungen, sind durchs Unterholz geflitzt. Wir haben in klatschnassen Klamotten einen See durchschwommen, ein Sieltief durchquert, sind durch umgegrabene Ackerflächen gestakst, haben mit nassen Torfflächen gerungen, Wassergräben zwischen Sandwällen durchpflügt, haben Strohballen und Reifen bezwungen. Dabei hat jeder von uns eigene körperliche Grenzen und übergewichtige innere Schweinehunde überwunden: schon, bevor beim Quatsch im Matsch das schlammige Finale nahte – die großen Gubbelgruben kurz vorm Ziel.
Wer dem ersten zähklebrigen Pfuhl nicht schon als überschlicktes Matschmonster entstiegen war, dem drohte noch ein zweites Schlammloch: dünnflüssiger, flacher, lauerte es geduldig unter allen, die sich mit letzten Kräften darüber zu hangeln versuchten. Sauberbleiben? Dein(e) Mudder!
Der Schlamm verschluckt auch den letzten Rest Rangordnung
Nun mögen wir bei tbd grundsätzlich flache Hierarchien, Augenhöhe, enges Miteinander. Doch der Schlamm verschluckt auch den letzten Rest Rangordnung. Vollgeschmiert und matschbedeckt sind wirklich alle gleich – und gleich dreckig, ob Mitglieder der Geschäftsführung, Kolleginnen aus dem Büro oder Kollegen, die in der Regel draußen auf Baustellen unterwegs sind. Jeder verliert Eleganz, jeder gewinnt Selbstironie.
Jeder hilft jedem. Steckt irgendwer im hüfttiefen Matschpfuhl fest oder schafft es nicht allein über die großen glitschigen Heuballen, sind sofort helfende Hände da. Ziehen, stützen. Und ob Chef oder nicht: Wer gerade in der Nähe ist, wird auch grinsend nochmal mit Matsch beschmiert oder nass gemacht. Diese soziale Flacherdung ist entwaffnend und schweißt zusammen. Insbesondere, wenn man selbst dreckiger ist als die Lache.
Vielleicht ist das der Kern des Ganzen: Solche verschlammten Hindernisläufe gehören zu den seltenen Veranstaltungen, bei denen man gleichzeitig ungeniert Kind, Kumpel und Kollege sein kann. Man kann springen, patschen, prusten, sich einsauen – und alle sind einander gleich: gut verschmiert.
Ein Wir mit Matschsiegel
Ganz am Ende folgt dann noch die eiskalte Dusche. In Klamotten. Denn in den eigenen Fahrzeugsitzen möchte man den Quatsch im Matsch dann ja doch nicht verewigen. Und wenn die kalte Nässe mit dem Handtuch fortgerubbelt und die warmen Ersatzklamotten angezogen sind, verwandeln sich die Erlebnisse in Erinnerungen, die nicht wegzuwaschen sind: an die Sprüche, das grinsende Fluchen, den gemeinsamen Spaß beim Kraxeln und beim Flachköpper in Matschpfützen – und daran, auch sonst blitzsaubere Kolleginnen und Kollegen plötzlich völlig verschlammt zu sehen. Wir freuen uns schon jetzt drauf, im kommenden Jahr erneut unsere schlammigste Sonntagskleidung anzuziehen.






































